besetzen

vom 02.05.2019 bis
zum 02.06.2019

 


besetzen

paillettenkleid meets punk … die neue gruppenausstellung in der xpon-art widmet sich dem thema „besetzen“ 

und fragt, ob der mensch nicht als herr seiner bilder erscheint, sondern als projektionsfläche der bilder, die 

seinen körper und geist besetzen. dreizehn künstler*innen zeigen in fotografie, malerei, collage, objekt 

und installation zeitgemäße werke zwischen besatz und besetzt. es geht ums weitermachen, freiräume sichern 

und aktive nischen verteidigen.


teilnehmende künstler*innen:

gerald chors, fredrik erichsen, martina grund, florian huber, doro hülder, arne lösekann, ben maier, 

penny monogiou, constantin schroeder, maximilian seegert, regine wolff, sibylle mayr, zheren wu


 



vernissage:                           02.05.2019 ab 20:00 uhr

laufzeit:                                  bis 02.06.2019

öffnungszeiten:                    samstag bis dienstag 18:00 bis 21:00 uhr (und nach vereinbarung)

sondertermine:                    ART OFF hamburg wochenende 18. Mai 2019, 17:00 – 0:00, 19. Mai 2019, 14:00 – 21:00

finissage:                              02.06.2019, 11:00 – 16:00 uhr mit brunch

 

„The essentials“, so heißt die aktuelle Bilder- und Collagenserie von Fredrik Erichsen. Sie zeigen einige der Etappen respektive Aufbauorte des 3x3x3m großen KUBUS, mit dem Erichsen seit 2009 durch Nordeuropa reist. In Planung, Aktion und Dokumentation dieser temporären Landschafts-Besetzungen setzt er sich mit den philosophischen Fragen “gibt es die perfekte Linie?“ und „wo ist der Quell der Inspiration?“ auseinander, sie treiben sein Handeln an und sind weiterhin Grund seines Pilgerns. Dynamik und Kontemplation finden gleichermaßen Gewichtung.

In den großflächigen Arbeiten von Martina Grund werden bis zu 70 000 Pailletten verwendet. Jede wird einzeln von Hand auf den Stoff „besetzt“. Das ist unglaublich zeitintensiv. Diese Kunst soll nicht spontan oder intuitiv sein, sondern total entschleunigt und besonnen. Die angewandte Technik lässt eine Dreidimensionalität und Funkeln entstehen, was je nach Tageszeit, Lichteinstrahlung oder Jahreszeit, sich immerzu verändert.

Bei Florian Huber, und insbesondere seiner Arbeit „FOR SALE“, dreht sich alles um Vergänglichkeit, Konsum und Konsumgesellschaft, die Frage, wann ein Ding nicht mehr bloßer Gegenstand ist, sondern Teil eines Kunstwerks, und welche Rolle der Künstler selbst in diesem wertschaffenden System einnimmt, bzw. überhaupt noch einnehmen kann.

Doro Hülder zeigt ihr Hockergesicht - ein Besetzungsprofil aufgezeichnet durch Materialermüdung. Gezeichnet durch den Druck der Zeit, Rutschpartien der Gesäße, Stille ausgesessener Stunden. Ein Abbild von Haltungsschäden in kunstledernem Schwarz.

Den Prototypen der Werkreihe [besetzen] ::: leerstellen als lehrstellen präsentiert Arne Lösekann in Zusammenarbeit mit der Kunsthistorikerin Anne Simone Krüger. Die Installation wurde geschaffen zum temporären Verweilen um langfristig die historischen Bezüge von Orten zu aktivieren. Denn nicht die Stagnation von Orten, sondern die Dynamik spendet Identität, aber dafür müssen die Bewohner aktiv ein Teil davon sein. Und manchmal helfen kleine Geschichten, die erzählt werden können und so nicht in Vergessenheit geraten, dabei mehr als jedes Aufhübschen.

Wer besetzt den Leerstand? Wer schafft Freiräume? Gibt es eine Verkörperung von Ideologie? Sind Menschen die Räume schaffen zivil ungehorsam? Fragen, die Ben Maier stellt. Mit seinen Fotografien schreit er von mittendrin nach draußen, bezieht Stellung und fordert Austausch.

Eine auf dem Boden liegende griechische Flagge [siméa] zerfällt in ihre Einzelteile, wie die Werte, die sie als Ganzes repräsentieren soll, zerstört sind. Das Objekt wurde konzipiert als sich Penny Monogiou in einer Werkreihe mit dem Bürgerkrieg Griechenlands beschäftigte.

Constantin Schroeder zeigt in seinen meist großformatigen Arbeiten idealisierte Figuren, Geister und Heroen, bearbeitet beklemmende zwischenmenschliche Rätsel und transportiert Fragen nach der eigenen Existenz und der Freiheit des Ichs durch eine rätselhafte Ikonographie. Er zeigt Gewalt und den Verlust von Individualität, Körperkult und Körperkritik einer seelenlosen und dekadenten Gesellschaft. Seine unwirklichen Bildwelten loten die Tiefen des Unbewussten aus und erweitern den durch die menschliche Logik begrenzten Erfahrungsbereich um das Fantastische und Absurde.

Maximilian Seegert reflektiert das Sehen an sich. Durch Entrückung wird der Blick vom Gesehenen zum Sehen selbst gelenkt. Die Bilder sind besetzt, doch was passiert, wenn die ständige Iteration durchbrochen wird.

Regine Wolff beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit der Trennung von Mensch und Natur, und unserem Beharren auf diesem künstlichen Konstrukt. Sie spürt dem Absurden und auch dem Komischen in unserem Verhältnis zu einer Natur nach, der wir uns gegenüberstellen obwohl wir ein Teil von ihr sind, die wir idealisieren und romantisieren, um unser letztliches Ausgeliefertsein nicht anerkennen zu müssen.

Sibylle Mayr schafft neue Formen respektive stellt Naturphänomene in neu erdachte Zusammenhänge, so dass Orte und Spezies entstehen, die an Erinnerungstiefen ruh¨ ren und zuGedankenflug¨ eneinladen.WirzeigendengemeinenGlückschwamm„spongliabeatificiae“, der entgegen seiner Gewohnheit ein langjähriger Begleiter der Künstlerin ist und immer wieder ihre Räume besetzt, sowie ihre aktuelle Arbeit „Heimat“. Hier ankern Wurzeln in rosa Farbspuren und zeigen in ihrem schwebenden Bund: Ankommen, Halt und In-die-Tiefe- gehen sind lebensnotwendige illusionistische Prozesse und gleichzeitig nichts als empfundene Wirklichkeiten.

Die Malerei von Zheren Wu ist zum einen geprägt von der langen Zeit, die er bereits im Ausland lebt. Seine Arbeit wird davon beeinflusst, in welchem Land oder welcher Region er sich aufhält. Zum anderen gibt es die Konstante der chinesischen Kultur, die seinem Bedürfnis entspricht, seine kulturelle Identität zu bewahren und ihm Rückhalt gibt.

Gerald Chors hingegen beobachtet den Begriff Kultur aus einer globaleren Perspektive. In seiner formal historisch anmutenden fotografischen Arbeit „CHINA.“ formt sich am Horizont des Elbufers ein Containerschiff zu einer düster anmutenden futuristischen Containerstadt und visualisiert die Massivität globaler Zusammenhänge unserer Gegenwart, Ländergrenzen längst hinter sich lassend, aber sicherlich kulturbestimmend.